Notizen vom Schreibtisch: Was steht eigentlich in einem WBT-Drehbuch?

– 28. Januar 2013 –

Was steht eigentlich in so einem E-Learning-Drehbuch? Und was in einem Feinkonzept für dieses Drehbuch? Diese Fragen wurden mir innerhalb von 4 Tagen 2 x gestellt, da dachte ich, ich notiere das einfach mal in mein nigelnagelneues Blog – und verlinke es dann:). Hier also ein erster, kleiner Blick hinter die Kulissen einer WBT-Produktion. Ich habe den festen Vorsatz, das Thema weiter auszubauen.smile

Was steht in einem Drehbuch für Web Based Trainigs?

Ein Drehbuch für ein Web Based Training (WBT) beschreibt Screen für Screen – Bildschirmseite für Bildschirmseite –, was die Lernenden später hören, sehen und lesen können. Das Drehbuch ist das E-Learning Storyboard: Es enthält alle Audio- und Bildschirmtexte, Bildvorschläge, Regieanweisungen und auch Lernkontrollen, wie zum Beispiel Multiple Choice oder Drag&Drop-Aufgaben.

Professionelle E-Learningautoren achten natürlich darauf, dass die Audio- und Bildschirmtexte sowohl mediengerecht aufbereitet als auch gut lesbar und verständlich sind.smile

Für einige Auftraggeber schreibe ich diese Drehbuchtexte und Regieanweisungen in Templates, die direkt von einer Software ausgelesen werden können und gleich im Autorensystem landen. Das sind spezielle Power Point-Vorlagen, in denen für jede Textsorte (z.B. Audio, Bildschirm, Anweisungstexte) Felder vorhanden sind. Es gibt Screens für allgemeine Lerninhalte, für Multiple Choice-Tests, Drag & Drop-Übungen uvm.

Meistens schreibe ich jedoch „händisch“ in eine PP-Vorlage oder auch in ein Worddokument. Manchmal steht dort „ganz viel Text“ – wenn zum Beispiel ein kleiner Film oder eine Bildergeschichte dargestellt werden sollen und ich die Dialoge und Sprechertexte für die jeweilige Sequenz in die Vorlage schreibe. Oder auch, wenn ich beschreibe, wie ich mir eine spezielle Animation vorstelle. Manchmal ist es auch deutlich weniger Text und erinnert mit dem Bildvorschlag schon an den späteren, fertigen WBT-Bildschirm.

Mit diesem WBT-Drehbuch kann die Produktion anschließend das eigentliche WBT erstellen: Lizenzen für Fotos kaufen und/oder weitere Bilder, Schaubilder, Grafiken erstellen, Zeichner beauftragen,  Schauspieler, Sprecher, Programmierer briefen – eben alles umsetzen, was im Drehbuch steht.


Was steht in einem Grob- und Feinkonzept?

Doch soweit sind wir ja noch nicht. Bevor ein E-Learning-Autor das Drehbuch schreiben kann, müssen einige grundsätzliche Fragen mit dem Auftraggeber geklärt werden. Und dafür sind das Grob- und Feinkonzept da.

Das Grobkonzept für ein WBT

Das Grobkonzept gibt zum Beispiel Auskunft über die Zielgruppen des WBT:

  • Welches Wissen kann vorausgesetzt werden?
  • Wie medienaffin sind die Lernenden?
  • Welche Lernbedarfe sind vorhanden?
  • Welche Voraussetzungen bringen die Lernenden mit?
  • Welchen Nutzen ziehen die Lernenden aus dem WBT?

Außerdem werden die betriebliche Rahmenbedingungen beschrieben: Haben die Lernenden überhaupt einen eigenen PC? Wie alt sind die PCs? Es nützt ja nichts, tolle 3D-Animationen zu produzieren, wenn nachher die ganzen Prozessoren schlapp machen. Außerdem: Gibt es ein Lernmanagementsystem? Undsoweiterundsofort.smile

Daraus leitet sich dann auch ab, wie interaktiv das WBT gestaltet sein kann und welche Sprache (Fachbegriffe, Sprachniveau u.ä.) angemessen ist. Die Lerninhalte werden in Kapiteln grob vorstrukturiert. Es wird außerdem festgehalten, welche Medien eingesetzt werden (Schaubilder, Video, Animationen etc.), ob es Lernkontrollen gibt und welche technischen Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Je nachdem, wer der Auftraggeber ist, geht das Grobkonzept nicht nur in die Personalabteilung, sondern auch in die Fachabteilungen und zum Betriebsrat*. (*Zum Thema, wie man das ganze innerbetrieblich gut einführt, schreibe ich ein andermal was. Das war ein heißes Thema bei der letzten Veranstaltung und lohnt definitiv einen eigenen Beitrag.)

Das Feinkonzept für ein WBT

Ist das Grobkonzept abgenommen, gibt es meistens ein Feinkonzept, das – wie der Name sagt – noch feiner ausgearbeitet ist. Die Lerninhalte werden hier noch kleinteiliger vorstrukturiert. Für manche Kunden arbeite ich wirklich schon Screen für Screen aus, welche Inhalte dort später stehen sollen. Ich notiere

  1. die Nummer des Screens
  2. die Feinlernziele (Welche Kenntnisse oder Fähigkeiten soll sich der Lernende auf dieser Bildschirmseite aneignen können?)
  3. einige Stichworte zu den Inhalten
  4. die eingesetzten Medien (Foto, Video, Animation, Schaubild, Audio)
  5. eventuell Quellen für Inhalte (wo finde ich nachher das Material?)
  6. Templatevorgaben (wenn es welche gibt)

Je detaillierter das Feinkonzept, desto weniger Arbeit hat man natürlich beim anschließenden Schreiben des Drehbuches.

Auch dieses Feinkonzept geht wieder in eine Abstimmungsschleife (oder auch mehrere) – erst danach beginnt die eigentliche Arbeit am Drehbuch.

Man sieht: Viel Arbeit, bevor irgendetwas geschrieben – oder gar in ein Autorensystem eingegeben wurde:).

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