Schreibblockade – Tipps, Strategien und Erfahrungen - Blogparade

– 18. Oktober 2013 –

Größere Textprojekte sinnvoll portionieren und richtig planen

Kerstin Hoffmann hat in ihrem Blog PR-Doktor eine Blogparade gestartet mit dem spannenden Thema “Schreibblockade – Tipps, Strategien und Erfahrungen”. Zu dem Thema könnte ich ja aus eigener Erfahrung eine ganze Bibliothek schreiben;) – doch ich fange mal ganz klein mit einem Klassiker unter den Schreiblockaden-Ursachen an (es gibt noch zahlreiche andere): Ein neues Projekt ist da. Und plötzlich wollen 150 Seiten Drehbuchtext, 300 Seiten Roman, 50 Seiten Broschürentext geschrieben werden.

„Hier kommst du nie hoch! Harhar.“

Zunächst sind das scheinbar gigantische, undurchschaubare Projekte, die – einem düsteren Riesenberg gleich – bedrohlich in die Höhe wachsen und zu rufen scheinen: „Hier willst du hoch? Wenn du wüsstest, wie viele Fallen und Hinterhalte auf dich warten, würdest du es gleich sein lassen. Harhar.“

Die erste Reaktion ist meistens: Wir laufen einmal panisch bis ratlos um den Berg herum, sehen keine offensichtliche Einstiegsmöglichkeit, um da gemütlich hochzuspazieren – und gehen erst einmal eine Runde Kaffee trinken, den Schreibtisch aufräumen und die Tastatur von Kuchenkrümeln und Pizzaresten befreien, bis wir diesen Anblick wieder erfolgreich verdrängt haben. Puh!

In aller Offenheit: Bei kleineren Projekten kommt man mit dieser Strategie ja meistens noch ganz gut durch, denn spätestens wenn die Deadline finster dreinblickend die Messer wetzt, reißt man sich zusammen und peitscht in zwei Abend- und Nachtschichten das Projekt durch. Adrenalin und viel Schokolade helfen (mir) dabei. 

Die schlechte Nachricht ist: Bei größeren Projekten funktioniert das nicht.  Zumindest nicht ohne gewisse Abstriche bei der Lebensqualität und/oder der Textqualität machen zu müssen.

Wie sieht also die richtige Strategie aus, um so eine Schreibblockade zu überwinden?

1. Einstiegspunkte finden.

Um beim Bild des Berges zu bleiben: Wichtig ist, nach dem ersten Schreck („Hilfe, ich muss drölfzigmillionen Seiten schreiben. Wo fange ich nur an?“) nicht nur ratlos um den Berg herumzuschleichen, sondern in Ruhe genau hin zu schauen und prüfen: Wo erkenne ich Einstiegspunkte? Wo kann ich mit meiner Arbeit ansetzen?

Einstiegspunkte sind für das Textprojekt erste Ideen, Inhalte,  die ich schon kenne, vielleicht sogar schon Textfragmente, die ich zum Thema ausformuliert habe. 

Ideen sammeln und ordnen kann ich zum Beispiel mit Methoden wie Clustering, Freewriting oder Mindmapping. Diese Methoden eignen sich auch, um in den Schreibfluss zu kommen, den Roten Faden zu entwickeln und die Inhalte zu strukturieren. Ich selbst liebe Mindmapping und arbeite sehr viel mit dieser Methode, weil ich hier brainstormen und quasi gleichzeitig ordnen und strukturieren kann.

Vorhandene Textfragmente (das Angebot, Briefingnotizen, erstes Recherchematerial, ein erste Gliederung), sammle ich spätestens jetzt in einem eigenen Projektordner und lege ein Dokument mit dem Namen Projektname_vs01 an.

Der Effekt ist bei mir immer:

  • Ich bin jedes Mal erstaunt, wie viel ich schon weiß und wie viel Material ich schon habe. Das beruhigt mich sehr.
  • Auch mein Computer weiß jetzt, dass es dieses Projekt offiziell gibt. Das macht das ganze Projekt irgendwie noch verbindlicher.
  • Die Version 1 signalisiert mir: Das überarbeitest du noch. Das muss noch nicht perfekt sein. Bleib locker.
  • Ich habe außerdem in der Ideenfindungs- und Sammelphase bereits erste Textfragmente gesammelt und erarbeitet – und sitze nicht mehr vor dem weißen Blatt Papier. Auch das beruhigt mich sehr. Denn: „Das steht schon was.“
  • Ich habe einige gute Einstiegspunkte entdeckt, auf die ich neugierig bin, mit denen ich starten kann. Ich lege los.

Entweder mit der Recherche (weil ich erste Lücken kenne und neue Fragen stellen kann) oder mit dem Schreiben eines Teilkapitels (weil ich da schon viele wichtigen Informationen habe und schnell etwas produziert haben möchte, um mich besser zu fühlen).

2. Meilensteine definieren, Arbeitspakete schnüren.

An diesem Punkt habe ich dann schon verstanden, dass der Berg gar nicht sooooo dunkel und monolithisch ist. Dieses Plateau da, das kenne ich schon ganz gut. Da könnte ich dann mal Rast machen und Zwischenbilanz ziehen. Und diesen Berghang dort drüben kann ich schon richtig gut beschreiben. Ich erkenne eine Struktur, an der ich mich abarbeiten kann.

Doch noch scheint der Gipfel so weit weg zu sein, er verschwindet fast in den Wolken, ist kaum zu sehen!

Hier hilft klassisches Projektmanagement (und Disziplin):

  1. Ich setze mein Ziel auf einen machbaren Termin (erste Version ist fertig am 23. Januar),
  2. definiere dann Meilensteine/Teilziele (bis Ende Oktober habe ich die ersten 3 Kapitel geschrieben) und
  3. machbare Arbeitspakete (jeden Tag schreibe ich ca. 4000 Zeichen– Achtung! Puffer einplanen!).

Für mein letztes riesengroßes E-Learning-Drehbuchprojekt habe ich mir außerdem eine einfache Tabelle in Word angelegt (den Tipp hatte ich von Sibylle Mühlke), in der ich jeden Tag die erarbeitete Screenzahl blau markiert habe. So hatte ich den Fortschritt und das Soll jeden Tag vor Augen. Für mich war das extrem hilfreich. Denn durch die definierten Arbeitspakete hatte ich viele kleine, verbindliche Deadlines. Und ganz ehrlich: Ohne Deadlines komme ich nie zu irgendwas. (Insofern ist eine vernünftige Deadline immer die beste Schreibblockaden-Beseitigerin.)

Und schon habe ich den monolithischen Riesenberg in überschaubare Wanderabschnitte aufgeteilt. Es ist viel einfacher, loszulegen mit dem Schreiben, wenn ich jeden Tag ein kleines, machbares Schreibpaket vor mir liegen habe – und nicht ständig im Bewusstsein schreiben muss: HILFE, ich habe noch 350.000 Zeichen vor mir!

Eine weitere relevante Ursache für Schreibhemmungen ist übrigens ein zu früh einsetzender Perfektionismus. Aber DARÜBER schreibe ich dann wirklich mal ein Buch.  Wenn meine innere Schlampe sich etwas besser durchsetzen kann.

 

 

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