Texttipp: Verständliche und attraktive Webtexte I

– 14. Januar 2006 –
Wenn Sie einen Text fürs Web schreiben oder überarbeiten, stellen Sie sich immer folgende Fragen: Welches Ziel verfolgt der Text? Wollen Sie informieren? Etwas verkaufen? Was wollen Sie mit dem Text erreichen? Und weiter: Wer liest den Text - also: Welche Zielgruppe wird angesprochen? Daraus ergeben sich viele spezifische inhaltliche und formale Kriterien, nach denen Sie Ihren Text ausrichten sollten, d.h. seinen Inhalt, seine Struktur - und seine Sprache.

Sie werden beispielsweise ein Text für eine Computerfachzeitschrift sprachlich anders gestalten als den Text eines Jugendmagazins. Je nach Leserschaft können auch unterschiedliche Informationen vorausgesetzt und müssen unterschiedliche Erwartungen erfüllt werden. Was macht jetzt einen verständlichen und attraktiven Text aus? Um diese Frage zu beantworten, entwickelten in den 60er Jahren drei Psychologieprofessoren das "Hamburger Verständlichkeitsmodell" für Texte. Obwohl es schon über 30 Jahre alt ist, sind die Kriterien bis heute gültig - und eignen sich hervorragend als Arbeitshilfe für Webtexte. Nach dem Hamburger Modell hat ein verständlicher Text vier Eigenschaften: Erstens: Der Text ist einfach geschrieben. Zweitens: Der Text ist gut gegliedert. Drittens: Der Text ist kurz, aber auch nicht zu kurz. Viertens: Der Text regt zum Lesen an. Einfachheit erreicht man mit...

  • kurzen, anschaulichen Wörtern,
  • keinem Fachjargon oder Amtsdeutsch,
  • indem man Fachwörter erklärt und
  • durch transparente Sätze (keine Schachtelsätze, allenfalls kurze Einschübe, erst eine Information, dann die zweite).

Eine gute Gliederung/Struktur hat ein Text, der

  • übersichtlich ist,
  • folgerichtig,
  • einen sichtbaren roten Faden hat und in dem
  • alles schön der Reihe nach kommt.

Je nach Textart ist der Text unterschiedlich aufgebaut: eine Reportage z.B. dramaturgisch, eine Nachricht logisch-hierarisch. Der Text ist kurz und prägnant, wenn...

  • er knapp und konzentriert formuliert ist,
  • jedes Wort Sinn transportiert,
  • er rasch auf den Punkt kommt.

Ein Text bietet Leseanreize durch...

  • Fallbeispiele,
  • Bilder und Vergleiche,
  • Fragen,
  • Ironie,
  • Zitate,
  • Anekdoten.

Für Webtexte gelten die Kriterien des Hamburger Modells genauso. Hinzu kommen Regeln für bildschirmgerechte Texte (dazu mehr in einem späteren Texttipp). Literatur: Andreas Baumert: Professionell texten. Tipps und Techniken für den Berufsalltag, München 2003 Doris Märtin: Erfolgreich texten! München 1999 Workshop-Tipp: Bei akademie.de biete ich regelmäßig Workshops und Coachings für Webtexter an.

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Kommentare:

Hallo Barbara, Deinem Rat folgend habe ich ein ganz neues Konzept für meine Website entwickelt (bzw. auch entwickeln lassen). Ab Mitte August 2006 wird die neue Seite online gehen. Ich habe mir während der Konzeption immer wieder auf Deiner Seite Tipps geholt und finde es super, dass Du so offen mit Deinem Know How bist. So habe ich Dich nun auch verlinkt, und rate meinen Webbesuchern Deine Seite auch anzusehen. Viele Grüsse, Wibke

Posted by Rissling-Erdbrügge, Wibke  am  04. August 2006'

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