Texttipp: Urheberrechte in der Online-Redaktion

– 20. Dezember 2005 –
Was ist im Internet urheberrechtlich geschützt? Man muss kein Jurist sein, um eine professionelle Webseite redaktionell zu gestalten, aber einige rechtliche Grundlagen wie Urheberrechte und Haftungsfragen sollte man kennen und beachten.

Es geht ja so schnell: Sie markieren eine Textpassage auf einer Webseite und kopieren sie per copy+paste in die eigene Textdatei. Selbst das umständliche Abtippen entfällt. Genauso Bilder, Audio- und Video-Dateien - auch sie lassen sich per Mausklick auf die eigene Festplatte holen und schnell auf der eigenen Webseite einbauen. Aber trotz ihrer schnellen Verfügbarkeit sind auch diese Werke durch das Urheberrecht geschützt. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. In der Redaktion haben Urheberrechte mehrere Aspekte:

  • 1. Zum einen müssen Sie bei recherchiertem Material (Bild, Text, Audio) prüfen, was geschützt ist und was nicht, wenn Sie es verwenden wollen.
  • 2. Bei gekauftem Material muss geklärt werden, wie lange Sie das Material verwenden dürfen. Dieses Wissen darf keinesfalls verloren gehen. (Solche Informationen können Sie in Redaktionssystemen als so genannte Meta-Daten mit dem Content abspeichern).
  • 3. Wenn Sie Autoren für sich arbeiten lassen, müssen Sie für beide Seiten eine faire vertragliche Grundlage schaffen, wie Sie mit den Autorenrechten umgehen. Gerade bei den neuen Geschäftsmodellen wie z.B. Content-Syndication, d.h. der kommerziellen Mehrfachverwertung von Content, und selbst bei einer dauerhaften Archivierung in Ihrem Archiv kann das zu Streitigkeiten führen.
  • 4. Auch freie Autoren sollten sich vertraglich absichern, wenn es um ihre Nutzungsrechte geht!

Grundlagen: Wie entsteht ein Urheberrecht?

Ein Urheberrecht entsteht durch den Vorgang der Schöpfung eines schutzfähigen Werkes. Schutzfähig ist eine künstlerische oder wissenschaftliche Leistung, die eine gewisse Originalität und Kreativität hat. Voraussetzungen sind:

  • das Werk ist ein Original,
  • das Werk wurde von einer Person geschaffen,
  • das Werk ist nicht von "trivialer Natur",
  • das Werk muss einen gewissen Umfang aufweisen.

Dieser Schutz besteht übrigens auch ohne ein Copyright-Vermerk oder andere Formalitäten! Auch Multimediaprodukte sind geschützt, selbst Software wurde in die Kategorie der Sprachwerke aufgenommen (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 UrhG). Wollen Sie solche schutzwürdigen Werke veröffentlichen, muss eine eindeutige Genehmigung des Urhebers eingeholt werden. Nach dem deutschen Urheberpersönlichkeitsrecht hat der Urheber über folgende Punkte das alleinige Verfügungsrecht:

  • ob seine Werke veröffentlicht werden dürfen,
  • in welcher Art und Weise Werke veröffentlicht werden,
  • zu welchem Zeitpunkt Werke erstmals veröffentlicht werden,
  • ob bei der Verwertung der Werke der Name des Urhebers oder sein Pseudonym genannt wird.

Was darf ich aus dem Internet verwenden? Erst einmal sind alle Artikel und Fotos, die Sie im Netz finden, geschützt. Aber: Urheberrechtlich geschützt ist das Produkt journalistischer Arbeit, also die Form - also die Darstellungsweise - nicht jedoch der Tatsachengehalt oder die Idee. Das heißt, dass die Information selbst nicht dem Urheberrecht unterliegt. Beispiel: Eine Tageszeitung veröffentlicht exklusive Informationen über einen Skandal in der Politik. Sie dürfen jetzt über diesen Skandal berichten - unter Bezugnahme auf Ihre Quelle, nämlich die Zeitung, aus der Sie diese Information haben. Doch Achtung: Ihre Meldung muss als eigenes Werk zu erkennen sein. Sie dürfen also nicht einfach per copy+paste den Text der Originalmeldung übernehmen, eine eigene Überschrift über den Text setzen und auf die Quelle verweisen. Sie dürfen sich aber auf das Original als Informationsquelle beziehen und einen eigenen Bericht daraus machen. Gibt es auch Fotos und Bilder dazu, dürfen Sie diese nicht übernehmen! Sie unterliegen dem Urheberschutz. Tipp! Wenn über eine Firma oder eine Organisation berichtet wird, schauen Sie doch mal auf den entsprechenden Webseiten im Pressebereich nach. Manchmal finden sich hier Fotos. Oder Sie melden sich bei der entsprechenden Pressestelle und bitten um Bildmaterial. Wenn Sie immer mal wieder allgemeine "Füllbilder" und Motivbilder brauchen, kaufen Sie am besten eine Foto-CD-Rom. Je nach Qualität kostet die zwischen 200 und 600 Euro. Die Bilder können Sie dann aber bedenkenlos auf Ihrer Webseite immer wieder verwenden. Anbieter sind zum Beispiel: http://www.mev.de http://www.fontshop.de http://www.imagesource.com http://www.photodisc.com Achtung! Das Nichtbeachten des Urheberrechts anderer Autoren kann sehr teure Folgen haben! Honorarrechnungen mit bis zu 100 Prozent Aufschlag wurden in Gerichtsurteilen geschädigten Autoren zugestanden. Unwissenheit schützt auch hier nicht vor Strafe bzw. der Begleichung einer Rechnung für Nutzungsrechte! Pressemitteilungen und Pressematerial sind von Firmen für Sie als Pressevertreter verfasst worden. Hier dürfen Sie die Meldung zu 100 Prozent übernehmen, wenn Sie das wollen. Sinnvoll ist eine redaktionelle Bearbeitung dennoch, schließlich wollen Sie inhaltliche Schwerpunkte setzen und keine reinen Selbstdarstellungen von Firmen übernehmen. Die urheberrechtliche Unbedenklichkeit gilt auch für das hier gelieferte Foto- und Bildmaterial, für diese Meldung darf es dann verwendet werden. Sie müssen nur die Quelle nennen (Foto: Mustermann GmbH) und dürfen das Foto natürlich nicht einfach für eine andere Meldung verwenden. Aber nicht nur Bilder und Texte sind urheberrechtlich geschützt. Schützenswert ist selbst die Datenbank einer Webseite, was zu Verfahren gegen Nachrichtensuchdienste wie Newsclub geführt hat. Das abschließende Urteil vor Gericht und die Geschichte des Rechtsstreites ist hier nachzulesen: http://www.newsclub.de/prozess/ Auch Linksammlungen sind geschützt. Es handelt sich hier um eine redaktionelle Leistung. Sie können also auch nicht einfach kleine Webkataloge anderer Webseiten in Ihre Rubriken übernehmen.

Hyperlinks, Inline−Links, Deep−Links Urheberrechtlich erlaubt ist hingegen das Setzen von Hyperlinks auf andere Seiten − hier sind eher Haftungsfragen relevant. Es muss allerdings klar erkennbar sein, dass Ihre Seite verlassen wurde. Nicht erlaubt ist, mittels Frames andere Webseiten und/oder Datenbankwerke in der eigenen Webseite zu öffnen (so genannte "Inline−Links"). So kann beim Leser der Eindruck entstehen, dass es sich um Inhalte Ihrer Seite handelt. Problematisch kann auch das Setzen von so genannte Deep Links sein. Deep Links sind direkte Verweise auf Unterseiten unter Umgehung der mit Werbebannern versehenen Titelseiten. Die Frage der Zulässigkeit von Deep−Links hat schon mehrere Gerichte beschäftigt. Eine einheitliche Rechtsprechung gibt es hier jedoch noch nicht. Dabei spielen auf jedenfall auch wettbewerbsrechtliche Fragen eine Rolle (z.B. beim systematischen Verlinken auf Angebote von Konkurrenten). Fazit: Beim Setzen von Hyperlinks sollte sich ein neues Browserfenster öffnen, bzw. die URL sollte sich in der Adressleiste des Browsers nach Betätigen des Links ändern und die Domain des neuen Anbieters anzeigen.

Linktipp zum Thema: Prof. Dr. Thomas Hoeren von der Universität Münster stellt sein aktuelles Lehrbuch-Skript zum Thema Internetrecht kostenlos zum Download zur Verfügung (als zip oder pdf-Version). http://www.uni-muenster.de/Jura.itm/hoeren/materialien/materialien.html

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