Texttipp: Journalistische Qualität? Etwas Geschichte zum Thema…

– 10. Januar 2006 –
Die Debatte um journalistische Qualität ist fast so alt wie die Presse selbst. Jürgen Wilke beschreibt in seinem Artikel "Zur Geschichte der journalistischen Qualität" die Diskussion um die Qualitätskriterien guter journalistischer Arbeit - lesen Sie eine Zusammenfassung: Bereits im 17. Jahrhundert definierte Christian Weise als einer der ersten das wichtigste Qualitätskriterium, das bis heute gilt: Die Verlässlichkeit der Information. Zur Sorgfaltspflicht gehöre auch, "den Ort [zu] beachten, woher die Erzählung kommt."(zitiert nach Wilke 2003, 36) Schließlich hob Weise auch den Bedeutungsgehalt, die Wichtigkeit, zum Kriterium der Nachrichtenauswahl. Die Zeitungsschreiber sollten, "wenn sie schon das Wahre vom Falschen nicht abzusondern vermögen, doch das Papier nicht mit solche Erzählungen voll schreiben (...), die ohne Schaden für die Leser übergangen werden könnten." (ebd., 36) Thomas Peucer verfasste 1690 in Leipzig die erste Dissertation über das Zeitungswesen (De Relationibus Novellis) und nennt weitere Qualitätskriterien: "Zum Willen des Berichterstatters rechne ich seine Wahrheitsliebe und Glaubwürdigkeit: Das er nicht etwas aus Voreingenommenheit für eine Partei schuldhaft etwas Falsches beimische oder nicht ganz sichere Dinge über Vorgänge von großer Bedeutung niederschreibe." (ebd., 37). Peucer stellt aber nicht nur Kriterien für gute Inhalte auf, sondern auch für deren Form und Präsentation. Zusammengehörige Informationen sollten beieinander stehen, Ökonomie die Reihung und Anordnung der Geschehnisse bestimmen. Denn noch folgten die Nachrichten in den Zeitungen ohne thematische Gliederungen. Die Ressorts waren noch nicht "erfunden". Für den Sprachgebrauch wurde Verständlichkeit und eine zweckmäßige Ausdrucksweise verlangt: "Die Lexis der Wortwahl oder der Stil der Neuen Zeitungen darf weder der eines Redners noch der eines Dichters sein, weil jener den neugierigen Leser hinhält, dieser ihn stört und auch die Sache nicht recht klar stellt....Diese Absicht aber erreicht er, wenn er sich teils einer reinen, teils einer kurzen und klaren Sprache bedient." (ebd., 37) Auch Kaspar Stieler postulierte 1695 in "Zeitungs Lust und Nutz" folgende Stil-Prinzipien: "[E]r muß einfältig/aber doch auch munter; gleich fliessen/doch auch hurtig und sinnreich seyn. Alles gekünstelte und gezwungene findet darinnen keine statt. Die Rede-Kunst kann anderweit ihre Zierde erweisen: Wortwandlungen oder Blumwerk gehören in die Zeitung nicht/ so wenig wie Poetische Grillen und neu erfundene Worte". (ebd., 38) Im 18. Jahrhundert wurde diese Liste der journalistischen Qualitätskriterien um die Exklusivität von Nachrichten erweitert. Vorher war es üblich, Nachrichten aus anderen Zeitungen einfach nachzudrucken, was durch den fehlenden Urheberschutz erleichtert wurde. Erst im 20. Jahrhundert schließlich, beeinflusst durch die alliierten Besatzungsmächte, kamen in Deutschland angloamerikanische Qualitätsnormen in das Berufsfeld Journalismus. Vor allem die Trennung von Nachricht und Kommentar, d.h. die Trennung von Meinungsäußerungen und Tatsachen gilt seither als gute journalistische Praxis. Fazit: Was sind die grundlegenden Qualitätskriterien für einen journalistischen Text? 1. Die Information muss korrekt sein. 2. Die Information muss (für den Leser) relevant sein. 3. Die Quelle, aus der die Information stammt, muss erkennbar sein. 4. Die Information muss verständlich und mediengerecht aufbereitet sein. 5. Der journalistische Text darf keine Urheberrechte verletzen. 6. Der Text muss sich um Objektivität und Fairness bemühen. Das sind im Prinzip die Kriterien, die heute noch von Online-Nutzern und Journalisten selbst als wichtig erachtet werden. Eine Studie von Online News Association von 2001 vergleicht die Qualitätskriterien der beiden befragten Gruppen. Bei beiden steht an erster Stelle die Genauigkeit der Informationen, gefolgt von der Vollständigkeit der Nachricht, der Fairness der Berichterstattung und der Glaubwürdigkeit der Quelle. Nachzulesen in folgendem Artikel im ARD-Magazin. Literatur: Jürgen Wilke, Zur Geschichte der journalistischen Qualität, in: H.J. Bücher; D. Altmeppen (Hg): Qualität im Journalismus, Wiesbaden 2003, S. 35-54.
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