Texttipp: Hypertext - was ist das?

– 20. Januar 2006 –
Auch wenn wir mittlerweile ganz selbstverständlich im Netz surfen, machen wir uns doch nicht immer bewusst, wie das Internet eigentlich aufgebaut ist. Was ist eigentlich der Hypertext? Was macht einen Text zum Hypertext? Nur wenn wir die Grundprinzipien des Hypertextes verstehen, können wir selbst Hypertexte konzipieren und gute Webtexte schreiben. Hypertexte sind nichtlineare Texte. Die (Text-)Daten sind auf Module verteilt, die durch Wegverbindungen, die Hyperlinks, miteinander verknüpft sind. Durch dieses Wegenetz kann sich jeder Leser je nach Vorwissen, Vorlieben und Interessen hindurchklicken. Wie viel er liest und in welcher Reihenfolge, ist seine Entscheidung. Seine Wahlfreiheit ist dabei nur durch die vom Autor gelegten Links und die vom System gegebene Funktionalität beschränkt. Der Leser klickt sich von einer Ebene zur nächsten und von Link zu Link. Das ganze World Wide Web ist ein Hypertext, genauso wie jede Website ein kleiner Hypertext ist. Hypertext ist interaktiver Text. Das heißt: Der Leser kann aktiv bestimmen, was er lesen will, kann Einfluss nehmen z.B. wenn er:
  • Hyperlinks anklickt,
  • Suchbegriffe eingibt oder
  • Elemente aus einer Auswahlliste wählt.

Der Leser bahnt sich seinen eigenen Weg durchs Internet. Hypertext kann bei konsequenter Umsetzung nicht von vorne bis hinten gelesen werden. Das bedeutet für die Konzeption: Die einzelnen Text-Module müssen abgeschlossen und in sich verständlich sein. Hypertext ist auch "unsichtbar". Anders als beim Buch oder der Zeitschrift, sieht man dem Hypertext nicht an, wie groß er ist, wenn man auf eine neue Webseite kommt. Größe und Struktur des Hypertextes müssen dem Besucher deshalb auf andere Weise sichtbar gemacht werden. Durch Navigationshilfen muss der Leser verstehen können, wo er gerade ist und wo er noch hin kann. Hypertext ist mehr als Buchtext. Hypertexte können mehr als Buchtexte. Buchtexte schlummern unverbunden in verschiedenen Bibliotheken. Bestenfalls verweisen Fußnoten und Bibliographien auf andere Texte. Der Hypertext kann über seine Hyperlinks Texte direkt miteinander verknüpfen, unabhängig davon, an welchem Ort sie physisch gespeichert sind. Diese Verknüpfungen sind das "Hyper" am Hypertext. Wenn wir also Websites - Hypertexte - konzipieren, sollten wir diese Charakteristika nutzen und z.B. Hyperlinks auf themenverwandte Seiten legen. Hypertext ist Text in Bewegung. Hypertexte werden häufig als "flüchtiges Medium" bezeichnet. Gemeint ist zweierlei: 1. Die digitale Schrift kann jederzeit verändert oder gelöscht werden. 2. Hypertexte bestehen meist nicht aus einer festen Anzahl von Modulen, sondern befinden sich im ständigen Auf- und Umbau. Es gibt Module, deren Inhalt sich mehrmals täglich oder sogar stündlich ändert; z.B. Wetterdaten, Nachrichtenticker oder Börsenkurse. Das typische Nutzerverhalten ist deshalb nicht das einmalige Durchlesen, sondern der regelmäßige Besuch. Da das Thema fortgeführt wird und damit im Gespräch bleibt, lohnt es sich, auf einer Website öfter mal vorbeizuschauen. Die rasche Aktualisierbarkeit geht allerdings oft zu Lasten von Beständigkeit und Verlässlichkeit. Das heißt für die praktische Arbeit: Redakteure müssen regelmäßig ihre Hyperlinks prüfen. Das gilt vor allem für externe Links. Sonst schleichen sich immer wieder "tote" Links ein. Ein Webguide muss ständig gepflegt werden, wenn er attraktiv und zuverlässig sein soll. So hat es sich durchgesetzt, dass eine Internet-Quelle mit Internet-Adresse (URL) und Datum des Besuchs zitiert wird. Fazit: Was heißt das für die Konzeption von Webtexten?Orientierungshilfen bei ihrer Navigation in ihrem Hypertext. 3. Linkverweise müssen für den Leser nachvollziehbar gelegt werden. Das heißt: Inhaltlich nachvollziehbare Verknüpfungen, gut verständliche Link-Dramaturgie. 4. Links müssen von Redakteuren regelmäßig überprüft werden. Diesen "Wartungsaufwand" sollte man gerade bei Webguides nicht unterschätzen und für Webprojekte einplanen. Weiterführende Links: Angelika Storrer, Hypermediatexte planen und schreiben - sehr empfehlenswerte Zusammenfassung aller Grundlagen: http://www.hytex.uni-dortmund.de/texte/grund1/index.html Unter dem Lese-Pfad "ProduzentIn" findet man auf der Webseite von HistoryShow einige grundsätzliche theoretische Unterscheidungskriterien zwischen der Buch-, Film-, Austellungs-, CD-Rom- und Internet-Produktion. Empfehlenswerte Reflektionen aus der "Steinzeit" des Web, nicht nur für Wissenschaftler: http://www.univie.ac.at/HistoryShow/historyshow.html Workshop-Tipp: Bei akademie.de biete ich regelmäßig Workshops und Coachings für Webtexter an.

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